Alte Fachwerkhäuser im Zentrum

Historisches

Helberhausen gehört mit seinen mittelalterlichen Namen Helmerinchusin (1318) und Hellenbergehusen(1319) zu den frühesten erwähnten Orten des Kirchspiels Hilchenbach. Es spricht aber nichts gegen die Annahme, dass die Abtei Deutz (Köln) schon früher (ca. 11. Jh.) Besitzer des "Hofes" Helberhausen gewesen ist. Weitere nördliche siegerländer Dörfer waren zu dieser Zeit ebenfalls in deren Besitz. Auch die Namensgebung -inchusin lässt darauf schließen, da Orte wie Holdinghausen auch in dieser Zeit gegründet wurden. Anfang des 17. Jh. kam Helberhausen in den Besitz des Stift Keppels. Erst 1969 bei der kommunalen Neugliederung wurde Helberhausen der Stadt Hilchenbach angegliedert. Den Namen Helberhausen trägt das Dorf seit 1754. Im Jahre 1815 sind 256 Einwohner in Helberhausen verzeichnet.

 

Berühmt wurde Helberhausen durch das Löffelschnitzen, dessen Einführung Heinrich Jung Stilling auf 1690 datiert. Löffel wurden über eine Million Mal hergestellt, nach Holland und sogar bis nach Westindien exportiert. Heute würde man sagen, dass dieses Haushaltsgerät zu einem Exportschlager wurde. Die Löffelschnitzer stiegen im 19. Jahrhumndert von Ahorn- auf Birkenholz um, weil es das benötigte Ahornholz nicht mehr gab. Birkenholz war aber nicht so lange haltbar und wurde schnell grau und unaansehnlich. Gegen 1920 starb das Gewerbe im Dorf aus.

Als eines der ersten Dörfer im Kirchspiel hatte Helberhausen eine eigene Schule. Bereits 1660 wird der erste Lehrer erwähnt. Die erste Schule stand in etwa gegenüber der heutigen Kapelle im Ort. Es ist zu vermuten, dass die noch heute dort befindliche Wetterfahne 1685 von Fürst Wilhelm Moritz zu Nassau der Schule vermacht wurde. 1769 wurde eine neue Kapellenschule erbaut. Schon 1863 wurde die heutige Kapellenschule erbaut. 1940 wurde die Außenstelle der Florenburggrundschule gebaut, das Gebäude welches kurzzeitig als Bürgerhaus genutzt wurde, und nunmehr Flüchtlingen eine Unterkunft gibt.. Jahrhunderte lang war der Lehrer am Wechseltisch verköstigt worden, weshalb es im Laufe der Jahre einige Beschwerden seitens der Bevölkerung gab.

Berühmte Männer im 18. Jh. sorgten dafür, dass Helberhausen einige Bedeutung im Wirtschaftsleben hatte. So schaffte der Uhrmacher Adam Winke mathematische Instrumente sowie Webmaschinen und war 1783 an der Aufstellung der ersten englischen Webmaschine auf dem Festland beteiligt. Johann Jakob Winke hatte als Maschinenbauer den Auftrag erhalten, für die Grafschaft Mark eine Posamentiermaschine sowie eine Baumwollkratzmaschine zu fertigen.

Eine weitere Persönlichkeit war Prof. Robert Ochsenfeld (1901-1993), Physiker und Mitentdecker des "Meißner-Ochsenfeld-Effekt". 

Überwiegende Tätigkeit im Mittelalter war die Viehwirtschaft und die Haubergswirtschaft. Viele Bewohner des Dorfes lebten auf Lehnhöfen. Allerdings gab es im Nebenerwerb auch zwei Schmiede und einen Gerichtsschöffen. Dieser war auch bei den Grenzgängen zur Klärung der Grenzen der Grafschaft Nassau zum Erzbistum Köln dabei (Grenzwall "Kölsches Heck").

Der eben erwähnte Jung-Stilling beschrieb die Helberhäuser Einwohner in einem Aufsatz "Über die Nassau-Siegensche Löffelmanufaktur zu Helberhausen" 1781 wie folgt: Die Menschenart alldort ist eine von den besten und sehr von der rohen sauerländischen unterschieden. Die Leutschen sind durchgehends voller Genie, haben sehr gute Schulen, sind daher voller Erkenntnis, redlich und freinatürlich wie die Bewohner der Alpen, und über das alles ziemlich wohlhabend nach ihrer Art. Bürge kann ich einem jeden Reisenden dafür werden, dass er mit großen Schätzen sicher unter diesen Leuten bei Tag und Nacht herumreisen darf, wenn er anders auswärtigen Landstreichern, deren es überall gibt, nicht in die Hände fällt.

Das direkte Nachbardorf Oberndorf wird in Zusammenhang mit Renovierungsarbeiten an der Ginsburg erstmals 1463 erwähnt. Aufgrund der Schreibweise bei der erstmaligen Erwähnung "Oberdorff" macht es sehr wahrscheinlich, dass der Ort früher zu Helberhausen als Oberdorf gehörte. Anhand alter Steuerliste bestätigt sich dies auch, weil Oberndorfer Einwohner auf der Helberhäuser Liste erwähnt werden.

Oberhalb von Oberndorf liegt der "Dreiherrenstein", wo sich 1498 Vertreter der Grafschaften Nassau, Wittgenstein und des Erzbistums Köln trafen, um Grenzstreitigkeiten beizulegen. Ein Stein und eine Tafel erinnern heute daran.

Näheres zur Grenze und zum Dreiherren-Stein:

Genau auf der zweithöchsten Erhebung des Siegerlandes, dem Dreiherrnstein (673 m über NN), die sich ebenso wie der Riemen (678 m über NN) auf Hilchenbacher Gebiet befindet, stoßen zwar heute noch die beiden Kreise Olpe und Siegen-Wittgenstein beieinander, doch damals markierte dies den Punkt wo die Grafschaft Nassau, die Grafschaft Wittgestein und das Erzbistum Köln angrenzten und es einen Grenzübergang gab Gleichzeitig war es auch Sprach- Glaubens und Wirtschaftsgrenze. Landhecken markierten die Grenzen, es war dicht beieinander gepflanztes und gepflegtes Strauchwerk, ca. 200 bis 300 m breit. Bezeichnet wurde es als "Kölsches Heck" und verlief ca. 171 km bis in den Freudenberger Raum.

Die Bauern aus Oberndorf und Helberhausen waren somit beauftragt, diese Landhecke alle paar Jahre zu pflegen und zu reparieren. Dazu wurden die Kronen gekappt und Jungtriebe heruntergebogen ("gebückt"). Ebenso wurde Dornengestrüpp und Brombeere gepflanzt. Ein Durchkommen war recht unmöglich  oder sehr schmerzhaft. Alles in allem war die Hecke ca. 1 m hoch. Doch in den über 100 Jahren Grenzstreitigkeiten zwischen Siegerländern und Sauerländern kam es immer wieder vor, dass Teile der Hecken verbrannt wurden. Schließlich stellte man im Laufe des 30-jährigen Krieges (1618-1648) fest, dass eine solche Landhecke ein großes Heer nicht aufhalten kann, und somit verschwanden diese nach und nach.

Weiter Historisches:

Eine sehr detailierte Ortschronik findet man im 100-Jahre-Festbuch der TSG Helberhausen.

Eine detailreiche, fotobegleitende Geschichte des Schulwesens steht im 75-Jahre-Festbuch der Freiwilligen Feuerwehr.

Im Laufe der nächsten Jahrhunderte entwickelten sich in Helberhausen die ersten Vereine :

  • 1878 der Männergesangverein "Eintracht"
  • 1898 der Sportverein TSG
  • 1934 die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Helberhausen
  • 1975 der Gemischte Chor "Eintracht"
  • 1986 der Kaninchenzuchtverein W424 (jetzt Kleintierzuchtverein)
  • 2006 der Heimatverein Helberhausen-Oberndorf
  • 2017 der Treckerverein Helberhausen

Gerade im Vereinsleben zeigt sich die überaus harmonische Dorfgemeinschaft und das gute Zusammenleben im Ort. Fast jeder der ca. 665 Einwohner ist Mitglied in einem Verein, manche auch in allen.